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Nach Autor gefiltert: Gerhard Wiesmeth     Alle Artikel anzeigen

Körpersprache vs. körperaktiv?

Oder Hundeerziehung weitergedacht…

In einer Zeit, in der es noch die Deutsche Mark gab, Autos keine Sicherheitsgurte hatten und Handys reine Fiktion waren, begann ich mich für Hunde zu interessieren. Hundesportvereine hatten Hochkonjunktur und das Training mit dem Hund war damals schon antiquiert, zumindest aus heutiger Sicht. 

Die klassische Hundeerziehung beschränkte sich auf militärisch durchgeführte Unterordnung einmal die Woche auf einem der zahlreichen Hundeplätze in Deutschland, die sich straff organisiert, der konsequenten Erziehung von zumeist Rassehunden verschrieben hatten.

Wenn zu dieser Zeit von konsequenter Erziehung des Hundes gesprochen wurde, dann bedeutete dies, der Hund musste „funktionieren“! 

Der Einsatz von Starkzwangmittel wie Stachel- und Stromhalsbänder zur Grunderziehung des Hundes waren der Standard und nicht die Ausnahme. Bei Ungehorsam waren Leinenruck, das Tier zu Boden drücken sowie Anschreien adäquate Mittel um Hunde zu erziehen und damit „gesellschaftsfähig“ zu machen. 

Hundeerziehung beschränkte sich lange Zeit auf das Verwenden von Sprachkommandos, also das geben von verbalen Befehlen durch den Menschen. Der Blick über den Tellerrand und das Gehen neuer Wege in der Hundeausbildung war für fortschrittlich denkende Hundehalter eher abenteuerlich und der sichere Exkurs in Gelächter durch Vereinskollegen. Gewaltfrei am Hund zu arbeiten wurde belächelt und als Unsinn deklariert. 

Leider sind die heutigen, „modernen“ Erziehungsmethoden, angesichts der zunehmenden Vermenschlichung des Tieres und der stark emotionalen Betrachtung von Hundeverhalten nicht weniger fragwürdig. 

In unkontrollierten Welpenspielgruppen werden Welpen nicht etwa auf das Zusammenleben mit dem Menschen vorbereitet, sondern eher auf das Zusammenleben mit anderen fremden Hunden geprägt. Qualzüchtungen nehmen Überhand und Hunde werden als Statussymbol, als menschlich gleichwertige Familienmitglieder oder als Kind- und Partnersatz gesehen und auch so behandelt, mit fatalen Folgen für das „Raubtier Hund“. 

Der neue Trend ist körperaktives trainieren mit Hunden, nicht zu verwechseln mit Körpersprache, die jeder Mensch und jeder Hund ohnehin besitzen und nicht trainiert werden muss. Die Rede ist von vermeintlich artgerechter Kommunikation mit Hunden über körperaktive Einschränkung durch den Menschen. Hier werden Hunde in ihrer Bewegung blockiert, bedrängt und bei Fehl- und Problemverhalten körperlich massiv unter Druck gesetzt, alles unter dem Vorwand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse. 

Viele Hundetrainer bzw. Hundeschulen sind dem Trend gefolgt und bewerben nun körperaktives Training am und mit dem Hund, leider oft zum Schaden der Tiere.

Was genau ist nun körperaktives Trainieren mit Hunden?

Körperaktives Training oder auch die körperaktive Therapie von Problemverhalten beim Hund schließt das parallele Geben von Sprachkommandos aus. Ein Hund kann also entweder auf die Körperaktion des Menschen reagieren oder auf dessen Sprachkommandos. Beides zugleich ist weder sinnvoll noch nachvollziehbar oder gar verständlich für den Hund. Oft sind Verbalkommandos widersprüchlich zur Körperaktion und resultieren in Stress und Konfliktverhalten. Wenn sich Ihr Hund also beim Kommando „Sitz“ wieder mal hinlegt, hat er Ihr Sprachkommando nicht ignoriert, sondern lediglich auf Ihre Körperaktion reagiert. 

Weiterhin muss beachtet werden, dass eine körperaktive Einschränkung in dem Moment beendet werden muss, sobald der Hund ein entsprechendes Alternativverhalten zeigt, ansonsten könnte er nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden.

Ein weiteres großes Defizit vieler Anwender des „neuen“ körperaktiven Trainings ist die Unkenntnis im Hinblick auf das Lernverhalten von Hunden. Solange man mit althergebrachten Konditionierungsmodellen am Hund arbeitet, wird es immer wieder Fehlinterpretationen im Verhalten von Hunden geben. Hier wird weder zwischen Reiz und Auslöser noch zwischen Gefühl und Emotion unterschieden. Dies wäre aber wichtig, um das Tier sinn- und maßvoll zu trainieren. 

Bedenken Sie, einem Hund etwas beizubringen oder sein Verhalten zu verändern ist keine Angelegenheit von Wochen oder Monaten, sondern von wenigen Tagen. Maßgeblich hierbei ist das objektive Betrachten von Hundeverhalten und wie der Mensch dieses Wissen nutzt. 

Die Kenntnis über die Körpersprache von Hunden ist wichtig, viel wichtiger jedoch ist, dass Hundehalter und Hundeexperten nicht völlig unwissend körperaktiv am Hund tätig werden. Dies ist fahrlässig und sicherlich nicht „artgerecht“. 

Der praktische Nutzen der Ethologie

In Ausbildungen zum Hundetrainer und in Seminaren für Hundehalter wird immer wieder auf die wichtige Bedeutung der Ethologie - also der vergleichenden Verhaltensforschung von Wild- und Haustieren - hingewiesen. Wie verhalten sich Wölfe oder verwilderte Hunde in ähnlichen Situationen, die wir bei unseren Haushunden kennen?

Viele Experten glauben, dass in der Beschreibung des natürlichen Verhaltens von Wölfen der Schlüssel zur Lösung des Problemverhaltens von Hunden liegt. Hundehaltern und Trainern wird in Büchern und Seminaren zum Ausdrucksverhalten des Hundes bzw. des Wolfes vermittelt, dass eine Veränderung des hündischen Verhaltens nur möglich ist, wenn man die Zusammenhänge in der vermeintlich unberührten Natur kennt und diese dann auf das Zusammenleben mit dem Haushund überträgt.

Zunächst ist es wichtig festzustellen, dass sich ethologische Forschung mit dem Verhalten von Hunden oder anderen Caniden untereinander beschäftigt. Vergleichende Studien zum Verhalten des Hundes mit dem Sozialpartner Mensch aber fehlen. Es existieren Theorien zum Thema, diese werden allerdings von Forschern selbst in Frage gestellt, da eine rein subjektive und emotional geprägte Deutung von Hundeverhalten dem Menschen gegenüber nicht von der Hand zu weisen ist. Im Moment, in dem wir Hundeverhalten in der Interaktion mit Artgenossen beschreiben und dieses dann auf Mensch und Hund übertragen, laufen wir Gefahr, aus menschlich-emotionaler Sicht die Motivation des Hundes zu bewerten. Das ist ein Dilemma, welches den Nutzen vergleichender Studien von Caniden für die Umerziehung von Fehl- oder Problemverhalten von Haushunden zunichte macht.

In Lehrinhalten zum Tierpsychologen oder Hundetrainer wird immer wieder auf die Bedeutung dieser Zusammenhänge hingewiesen. Lehrmeinungen werden unreflektiert wiedergegeben, längst überholte Modelle und Theorien über das Lernen und Verhalten einfach kopiert, Hundeverhalten verkompliziert und falsch ausgelegt. In der Praxis wird versucht, die Kommunikation bzw. Körpersprache von Caniden untereinander zu imitieren, es wird unterworfen oder man versucht über Beschwichtigungssignale den Hund zu kontrollieren. Mit fatalen Folgen für alle beteiligten Menschen, die auf diese Art und Weise versuchen, Problemverhalten ihres Vierbeiners in den Griff zu bekommen, oft mit der Begründung, dass Hunde und Wölfe dies in einem Rudel ebenso machen.

Eine völlig falsche Annahme, denn in einem gewachsenen Rudel mit klarer Hierarchie stellt kein Rudelmitglied eine bestehende Ordnung in Frage. Beobachtungen an frei lebenden und gewachsenen Rudeln von Wölfen haben gezeigt, dass die Rangordnung nicht durch dominierende Gesten von ranghohen zu rangniederen Tieren festgelegt wird, sondern genau umgekehrt. Rangniedere Tiere reagieren im Kontakt mit Ranghohen immer mit aktiver oder passiver Unterwerfung, zeigen also von sich aus das Bestreben, die bestehende Ordnung nicht in Frage zu stellen. Die Meinung, der Hund warte nur auf einen günstigen Moment, um seinen Menschen zu dominieren, ist falsch, hält sich aber leider hartnäckig.

Ist ein Hund nun in der Lage, einen Menschen zu dominieren? Natürlich ist er das! Der Hundehalter ist aus Sicht des Hundes in erster Linie Sozialpartner und damit eingebunden in sein Bedürfnis nach geklärten Rangordnungs- und Ressourcenverhältnissen im Rudel.

Nun ist aber mit der Fähigkeit zu dominieren untrennbar eine zweite, dem Hund angeborene Verhaltensweise verbunden - die Bereitschaft zur Unterordnung. Das bedeutet aber, dass der Hund die Entscheidung zwischen Dominanz oder Unterordnung nicht alleine fällen kann, er benötigt hierzu den Sozialpartner Mensch. Hundehalter stehen oft vor dem Problem entscheiden zu müssen, welcher Trainer oder Therapeut die Qualifikation hat, den problemgeplagten Hund umzuerziehen. Auf der Suche nach einem seriösen Anbieter fallen meist Slogans wie „nach neuesten kynologischen Erkenntnissen“ oder „basierend auf ethologischer Forschung“. Auf den ersten Blick vermitteln diese Werbebotschaften den Eindruck von Professionalität, wissenschaftlicher Arbeit und Seriosität.

Wo aber sind die Erkenntnisse ethologischer Forschung und kynologischer Workshops, wenn am Hund mit Kopfhalfter, Rütteldose, Anti-Bellhalsband, Stachelwürger, Leinenruck, Anschreien, Wurfkette oder Ähnlichem gearbeitet wird? Muss man bei all der Vermenschlichung und Gefühlsduselei hier nicht eher von psychischer Misshandlung des Beutegreifers Hund sprechen?

Die Suche des Hundes nach biologisch sinnvollen Assoziationen
Für die Ethologie ist es wichtig, was ein Hund im Kontakt mit seinen Artgenossen tut, warum er das tut und was es beim Gegenüber auslöst. Das ist interessant, um Erkenntnisse über den eigenen Hund zu erlangen. Nun stehen wir aber Situationen gegenüber, in denen wir den Hund nicht unkontrolliert agieren lassen dürfen. Selbst wenn wir eine Antwort auf die Frage bekämen, warum der Hund das oder jenes tut, hilft uns das nicht einen Schritt weiter. In der reinen Beschreibung von Hundeverhalten oder - wie Experten es nennen - Verhaltensbeobachtung, ist die Problemlösung nicht enthalten.

Selbst wenn Sie feststellen, dass Ihr Hund unsicher oder sogar ängstlich ist, dass er die Wohnungstür, den Gartenzaun oder das Fenster gegenüber fremden Besuchern verteidigt, wird nicht etwa das eigene Verhalten in Frage gestellt, sondern sofort mit Ausreden gekontert. Es liegt an der schlechten Vergangenheit des Hundes, er kommt aus Spanien, aus dem Tierheim oder er wurde in der Welpenspielgruppe gebissen. Aber wie geht es weiter? Sie haben das Verhalten des Hundes beschrieben, auch die Erklärung dafür geliefert und doch ändert sich nichts.

Der Grund dafür ist einfach zu finden: weil Sie Ihren Hund mit seinem Problem alleine lassen und ihm Aufgaben übertragen, mit denen er hoffnungslos überfordert ist. Der einzige sinnvolle Ansatz, am Verhalten des Hundes etwas zu verändern, beginnt beim Menschen. Haben Sie sich eigentlich schon einmal die Frage gestellt, was der Hund will? WILL er wirklich an der Leine ziehen? WILL er bellen, beißen, Angst haben? Ist es nicht eher so, dass er das tun MUSS, weil Sie ihm diese Verantwortung nie abgenommen haben?

Möchten Sie mehr über den Beruf des Hundetherapeuten erfahren?
http://www.hundewelten.de 

Tierschutzgedanke oder gedankenloser Tierschutz

Der Hund aus dem Ausland

Wer sind die Bösen und wer die Guten im internationalen Handel mit Auslandshunden?

Dort, wo es etwas zu verdienen gibt, sind die nicht weit, die sich auf Kosten Anderer bereichern. Es geht um unseriöse Praktiken von Tierschutzorganisationen, die sich der „Rettung“ von Hunden aus ausländischen Tötungsstationen verschrieben haben. Es ist wichtig, über verschiedene Geschäftspraktiken informiert zu werden, da wir gerade im Tierschutz leider keine wirkliche Transparenz finden werden. Doch wo fängt das Geschäft mit Hunden aus Tötungsstationen und Auffangstationen in Spanien, Italien und Griechenland an?

Der junge Straßenhund aus Spanien wurde vom ansässigen Tierheim an eine deutsche Familie vermittelt. Alter, Prägung und Lernerfahrung sind unbekannt. Zu dem, was jetzt in Deutschland an Verhalten von ihm erwartet wird, ist der junge Hund einfach nicht in der Lage und wird es auch nie sein. Aus dem Ausland importierte Hunde von der Straße haben meist gelernt, sich selbst zu versorgen, die Unabhängigkeit zum Menschen ist bereits geprägt, sehr oft haben sie Negatives in Bezug auf Menschen erfahren und wurden durch Tritte oder Schläge misshandelt, wenn sie Mülltonnen plünderten. Diese Hunde zeigen ausgeprägten Hetz- und Jagdtrieb durch notwendige Selbstversorgung. Hatte ein Hund in seinem Leben bereits Jagderfolg, so ist die Gefahr sehr groß, dass er dieses Verhalten bei entsprechenden auslösenden Reizen, also bei sich bewegenden Objekten, wieder zeigt. Auch die oft reizarme Haltung in überfüllten ausländischen Tierheimen wird Ihr Leben mit diesem Hund zwangsläufig auf eine harte Probe stellen.

Ganz klar, man könnte von einem Einzelfall sprechen, der den eigentlichen Gedanken, der hinter den Importen von Hunden aus Südeuropa steckt, nicht in Frage stellt. Und doch tun wir es. Weil es keine Einzelfälle sind, weil wir in unserer täglichen Arbeit mit Hunden und ihren Haltern immer häufiger mit Problemen dieser Art konfrontiert werden und nicht selten zu hören bekommen: „Warum hat uns im Tierheim niemand über die Probleme informiert, die ein Hund aus dem Ausland unweigerlich mitbringt?“ Ja, warum wohl? Weil das Personal im Tierheim selbst überfordert ist mit der Einschätzung des Verhaltens eines traumatisierten Welpen. Weil immer noch die Meinung vorherrscht, ein Hund aus dem Tierheim müsse sich erst mal eingewöhnen, bevor man als neuer Halter anfängt, mit ihm zu trainieren. Weil es ja ganz besonders dem Tierschutzgedanken entspricht, wenn man nicht nur die deutschen Hunde rettet, sondern auch noch Tierheime und Auffangstationen im Ausland unterstützt und sich damit rühmt, einem Hund ein besseres Leben in Deutschland ermöglicht zu haben.

Und wer unterstützt den neuen Halter, wer hilft dem Hund kompetent aus dem Problemverhalten? NIEMAND tut das! Was hat das mit Tierschutz zu tun? Gedankenlos, egoistisch und naiv ist dieser Ansatz.

Wenn wir also die verurteilen, die aus diesem Geschäft den größtmöglichen Profit schlagen, indem sie lediglich die Nachfrage bedienen, was ist mit der Verantwortung der Menschen, die nach solchen Tieren fragen? Unsere Kritik gilt nicht den Menschen, die sich vor Ort in den entsprechenden Ländern für den Tierschutz engagieren, Tierheime betreiben und sich gegen die ortsüblichen Praktiken im Umgang mit Hunden wehren und aufklären. Der Import von Hunden nach Deutschland hilft jedoch weder dem einzelnen Tier, noch den tausend Hunden, die auch künftig dort geboren, misshandelt, gequält und getötet werden.

Man muss die Vorgeschichte des Hundes kennen!

Ja, das Wissen über die Vergangenheit ist sehr wichtig. Wir können dadurch ungeschehen machen, was passiert ist und da wir immer für alles und jeden eine gedankliche Schublade frei haben, müssen wir uns nicht über Leerstand beklagen.


Die Vorgeschichte ändert NICHTS am bestehenden Problem, sorgt bestenfalls für subjektive und emotionale Befangenheit und lässt jeden Therapieversuch scheitern. Verschwenden Sie bitte keine Energie für Vergangenheitsanalysen. Verschwenden Sie kein Geld für Zukunftsblicke. Setzen Sie sich im Hier und Jetzt mit dem aktuellen Verhalten des Hundes auseinander, denn ER hat viel mitzuteilen und zwar kostenlos.

Seminare und Ausbildungen zu Training und Therapie von Hunden aus dem Ausland mit Fehl- und Problemverhalten finden Sie hier: https://www.hundewelten.de

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Der Konditionierungswahnsinn beim Hund

oder warum Thorndike kein Hundetrainer war. 

Viele tun es, wenige können es und doch halten sie daran seit mehr als 100 Jahren fest. Die Rede ist von instrumenteller oder operanter Konditionierung des Hundes.

Edward Lee Thorndike (1874-1949), der Begründer der instrumentellen Konditionierung, seines Zeichens Psychologe experimentierte u.a. mit Katzen, Hühnern und Hunden. Aus seinen zahlreichen Versuchsanordnungen gründete sich die heutige Lerntheorie, wonach erwünschtes Verhalten durch Belohnung verstärkt und unerwünschtes Verhalten durch Bestrafung unterdrückt werden kann. Es handelt sich also um eine über 100 Jahre alte Theorie, die heute Hochkonjunktur hat und Bestandteil so mancher Prüfung zum Hundetrainer ist.

Das Lernen aus Versuch und Irrtum ist sicherlich ein adäquates Mittel für den Hund, der in freier Wildbahn und ohne Menschen lebt und hierdurch sein Überleben garantiert. Nun befinden sich nur wenige Hunde in Deutschland tatsächlich in freier Wildbahn sondern sind in der Obhut des Menschen, der für ihr Überleben garantiert. An dieser Stelle sei dem Hundehalter unterstellt, dass er vorausschauendes Denken besitzt und die, aus Sicht des Menschen unerwünschten Verhaltensweisen seines Hundes kennt.

Warum soll und muss der Hund nun erst einmal Fehler machen, also bestraft werden um zu lernen, dass dieses Verhalten nicht im Sinne seines Sozialpartners Mensch ist. Wäre es als verantwortungsbewusster Mensch nicht viel sinnvoller dem Hund bereits im Vorfeld zu vermitteln, was erwünschtes Verhalten bedeutet?

Nur allzu oft begegnen wir dem Phänomen, dass Hundehalter- und Experten lieber bestrafen als belohnen und unseren Hunden somit jegliche Möglichkeit nehmen, etwas richtig zu machen. Begründet liegt dies in der Annahme, dass Hunde, die ein Verhaltensproblem aufweisen, dem Menschen etwas Böses wollen oder ihm absichtlich Schaden zufügen möchten. Diese Annahme ist jedoch falsch. Viele Hunde können nicht im Sinne des Zweibeiners reagieren, weil man ihnen schlichtweg die Alternative nimmt, indem man beispielsweise versucht, den bereits aktivierten Jagdtrieb zu unterdrücken. Am Besten noch mit einem Starkzwangmittel wie Strom- oder Stachelhalsband.

Sollten Hundeexperten es nicht eigentlich besser wissen?
Wenn es klingelt und der Hund zur Tür läuft um den Besuch zu begrüßen oder auch durch sein Bellen zu verscheuchen, können Sie ihn natürlich dafür bestrafen. Da das Tier aber nicht gelernt hat, was es besser machen kann, vollzieht sich das Problem täglich aufs Neue wieder.


Nun haben Sie als Hundehalter oder Hundetrainer, ohne es zu wissen schon so gut wie alles falsch gemacht, denn Sie haben dem Hund nicht beigebracht, was er stattdessen machen könnte. Wenn Sie nun also im Sinne des Hundes Verhalten positiv verändern möchten, beginnt Ihr Training nicht an der Tür sondern sehr viel früher. Einen Stein, den Sie geworfen haben, können Sie schwerlich dazu bringen, zurück zu kommen. Besser wäre, Sie werfen ihn gar nicht erst.

Wenn Sie den Hund für das Bellen an der Tür bestrafen, haben Sie vergessen ihn für das ruhige Liegen auf der Decke zu belohnen. Und dafür benötigen Sie keine Hilfsmittel, keine Bestrafung oder gar Gewalt. So geht Hundeerziehung, warum tun Sie´s nicht?

Ausbildungen und Seminare rund um den Hund
http://www.hundewelten.de
Berufsbildungsinstitut für Hundetrainer und Hundetherapeuten

Der kinderliebe Familienbegleithund

oder die geheimen Veranlagungen unserer Hunde

Gibt es sie wirklich?, die allseits beliebten Familienhunde, die getreuen Begleithunde oder die kinderlieben Hunde und wo kann man sie kaufen? Vorausgesetzt es gäbe rassespezifische Eigenschaften wie z.B. “familienfreundlich” und “kinderlieb”, welchen Zuchtkriterien unterliegen diese Rassen?

Haben Sie sich eigentlich schon mal Gedanken darüber gemacht, ob solche eindeutig emotionalen Beschreibungen für das Raubtier Hund überhaupt zutreffend sein können und wenn ja, was unterscheidet einen kinderlieben Familienhund von anderen Hunden?

Wieder einmal mehr werden Menschen, die sich einen Hund anschaffen möchten für dumm verkauft und über die “wahren” Wesenszüge des Hausraubtieres Hund im Unklaren gelassen. Was muss denn noch alles passieren, damit unsinnige Betitelungen wie “familienfreundlich” und “kinderlieb” aus den Köpfen der Züchter bei der Vermittlung von Welpen verschwinden und wie viele Hunde müssen noch eingeschläfert werden, weil Tierheime wieder einmal einen “kinderlieben” Hund vermittelt haben, der dann “plötzlich” doch das Kind gebissen hat.

Was aber ist nun ein Familienhund?

Ein Tier welches spezielle Eigenschaften wie Loyalität, Treue sowie Anteilnahme am Familienleben besitzt, wo wir doch alle wissen, dass Hunde ausschließlich trieborientiert und zu menschlichen Emotionen so wie wir sie kennen, nicht fähig sind, oder handelt es sich evtl. um versteckte genetische Veranlagungen, die nur in einer Familie zu Tage treten?

Noch schwieriger nachzuvollziehen und im höchsten Maße gefährlich ist es aber, einen Hund als “kinderlieb” zu bezeichnen. Rund 80.000 Kinder werden jährlich alleine in Deutschland von einem Hund gebissen, dabei handelt es sich um die registrierten Vorfälle – die Dunkelziffer könnte doppelt so hoch sein.

Das diese Vorfälle nun ausschließlich von so genannten “Listenhunden” verursacht werden ist eher unwahrscheinlich. Labrador oder Liebrador, Border Collie oder Kinder Collie, welche von den rund 400 Hunderassen ist denn nun wirklich “kinderlieb” oder besonders “familienfreundlich” und warum werden dem ressourcengesteuerten Beutegreifer “Hund” wieder einmal rein menschliche Eigenschaften angedichtet, die er gar nicht erfüllen kann?

Wir sprechen dem Hund sicherlich nicht die Sozialkompetenz und damit die Fähigkeit zum Zusammenleben in der Gemeinschaft oder die Bereitschaft zur Unterordnung ab, dennoch existieren diese auf reiner Triebbasis und nicht auf menschlichen Emotionen. Selbst der Fortpflanzungstrieb ist beim Menschen heute mehr Lust als Erhalt seiner Rasse, beim Hund hingegen ausschließlich die genetisch veranlagte Selbsterhaltung seiner Spezies. Wen wundert es also, wenn angeblich “kinderliebe” Hunde ihre Ressourcen wie Futter, Territorium, Beute etc. auch und gerade Kindern gegenüber unter Aggression verteidigen oder wenn die angeblichen “Familienhunde” trotzdem massives Fehl- und Problemverhalten zeigen, weil diese Hunde Begriffe wie “kinderlieb” und “familienfreundlich” gar nicht kennen und sich dementsprechend auch nicht danach verhalten können.

Wenn wir dem Hund rassetypische Eigenschaften wie z.B. Hütetrieb, Stöbertrieb, Futter- und Beutetrieb sowie Rudel- und Meutetrieb zusprechen, warum kennt man dann den “Kinderliebtrieb”, “Begleittrieb” oder den “Familientrieb” nicht? Ganz einfach…. Weil es sie nicht gibt!

Wir fordern alle Leser dieses Artikels, insbesondere alle Züchter und Tierheime auf, mitzuhelfen und einen Beitrag zur besseren Verständigung zwischen Mensch und Hund zu leisten, indem absurde und gefährliche Aussagen zum Hundeverhalten künftig aus dem Wortschatz des Menschen verschwinden.

www.antwort-hund.de