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Trainingswahnsinn oder Wahnsinnstraining?


Wer kennt sie nicht, die guten Ratschläge und Empfehlungen für Hundehalter zum richtigen Training, richtigen Timing, der richtigen Dauer, der richtigen Intensität und dem "richtig überhaupt" in der Grunderziehung des Hundes. Hunde werden von einer Übungssituation zur nächsten gedrillt. 

Ein ohnehin schon feststellbarer Stresspegel bei Hund und Mensch wird weiter genährt durch die von anderen Hundebesitzern implizierte Panik, etwas im Training vergessen zu haben. Etwas in der Hundeerziehung versäumt zu haben bedeutet ja unterm Strich künftiges Fehl- und Problemverhalten.

Gerade das erste Hundejahr bedeutet für die meisten Hundehalter eher Stress und Druck statt vielmehr Entspannung und eine stabile Beziehung zum neuen Vierbeiner. 

Nun mal ehrlich! 

Um annähernd jeden eventuellen Alltags-Reiz trainieren zu können, würden wir einige Jahre benötigen. Unendlich viele Reize, die uns im Laufe des Hundelebens begegnen, können wir überhaupt nicht kontrollieren und somit auch nicht trainieren. 

Sobald die angstauslösende Mülltonne für den Hund desensibilisiert ist, fängt man eine Woche später von vorne an, weil Mülltonnen die Angewohnheit haben, nie an genau denselben Platz zu stehen. Wut auf den Nachbarn, der dreist die unausgesprochene Erwartung missachtet hat, seine Mülltonne gefälligst an den bisher bekannten Ort zu stellen, kommt hinzu. 

Jogger eins wird aber endlich nicht mehr gehetzt, Radfahrer vier wird heute einmal nicht angesprungen, aber was ist mit Jogger 2 bis 99 und Radfahrer 5 bis 145? 

Das Schweineohr können Sie Ihrem Hund zwar wegnehmen, aber nicht seinen Napf, sobald dieser auf dem Boden steht und das Futter frei gegeben wurde.

10 Minuten ruhiges Warten vor der Apotheke bedeuten noch lange nicht, 10 Minuten im Stadtpark an der Sitzbank entspannt liegen bleiben zu können. 

Wir wissen, dass dieser Wahnsinn von Stress, Konflikt und Angst irgendwann anfängt und möchten dem Hund ja gerne helfen, wissen aber oft nicht wie…

Und hier die gute Nachricht:

Hunde, die von Anfang an in einer stabilen Beziehung mit ihren Menschen leben und sich in geklärten Ressourcenverhältnissen befinden, müssen "richtiges, entspanntes und aufmerksames Verhalten" nicht für jede Situation und jede Reizlage neu erlernen. 

Wenn Hunde lernen dürfen, die Kontrolle dem Menschen zu überlassen und das Tier in einer positiven Abhängigkeit zum Hundehalter ist, dann überlassen sie uns Zweibeinern freiwillig jede neue Situation und dessen Management bzw. Klärung auch. 

Es spielt dann im Laufe eines Hundelebens keine Rolle mehr, ob diese oder jene Situation jemals trainiert wurde, wenn man sich als Hundehalter/in um die nötige Basis gekümmert hat. Somit können Hunde jegliche Situationen und Aufgaben in unserem Sinne meistern, ohne Stress, ohne Konflikte und ohne korrigiert werden zu müssen.

Freuen Sie sich auf ein Wahnsinnstraining statt auf Trainingswahnsinn. 

Wie das geht? 

Wir zeigen es Ihnen, egal ob sie als Kollege/in ihre Trainingsansätze verändern möchten oder als Hundehalter/in neue Wege gehen möchten.

Körpersprache vs. körperaktiv?

Oder Hundeerziehung weitergedacht…

In einer Zeit, in der es noch die Deutsche Mark gab, Autos keine Sicherheitsgurte hatten und Handys reine Fiktion waren, begann ich mich für Hunde zu interessieren. Hundesportvereine hatten Hochkonjunktur und das Training mit dem Hund war damals schon antiquiert, zumindest aus heutiger Sicht. 

Die klassische Hundeerziehung beschränkte sich auf militärisch durchgeführte Unterordnung einmal die Woche auf einem der zahlreichen Hundeplätze in Deutschland, die sich straff organisiert, der konsequenten Erziehung von zumeist Rassehunden verschrieben hatten.

Wenn zu dieser Zeit von konsequenter Erziehung des Hundes gesprochen wurde, dann bedeutete dies, der Hund musste „funktionieren“! 

Der Einsatz von Starkzwangmittel wie Stachel- und Stromhalsbänder zur Grunderziehung des Hundes waren der Standard und nicht die Ausnahme. Bei Ungehorsam waren Leinenruck, das Tier zu Boden drücken sowie Anschreien adäquate Mittel um Hunde zu erziehen und damit „gesellschaftsfähig“ zu machen. 

Hundeerziehung beschränkte sich lange Zeit auf das Verwenden von Sprachkommandos, also das geben von verbalen Befehlen durch den Menschen. Der Blick über den Tellerrand und das Gehen neuer Wege in der Hundeausbildung war für fortschrittlich denkende Hundehalter eher abenteuerlich und der sichere Exkurs in Gelächter durch Vereinskollegen. Gewaltfrei am Hund zu arbeiten wurde belächelt und als Unsinn deklariert. 

Leider sind die heutigen, „modernen“ Erziehungsmethoden, angesichts der zunehmenden Vermenschlichung des Tieres und der stark emotionalen Betrachtung von Hundeverhalten nicht weniger fragwürdig. 

In unkontrollierten Welpenspielgruppen werden Welpen nicht etwa auf das Zusammenleben mit dem Menschen vorbereitet, sondern eher auf das Zusammenleben mit anderen fremden Hunden geprägt. Qualzüchtungen nehmen Überhand und Hunde werden als Statussymbol, als menschlich gleichwertige Familienmitglieder oder als Kind- und Partnersatz gesehen und auch so behandelt, mit fatalen Folgen für das „Raubtier Hund“. 

Der neue Trend ist körperaktives trainieren mit Hunden, nicht zu verwechseln mit Körpersprache, die jeder Mensch und jeder Hund ohnehin besitzen und nicht trainiert werden muss. Die Rede ist von vermeintlich artgerechter Kommunikation mit Hunden über körperaktive Einschränkung durch den Menschen. Hier werden Hunde in ihrer Bewegung blockiert, bedrängt und bei Fehl- und Problemverhalten körperlich massiv unter Druck gesetzt, alles unter dem Vorwand neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse. 

Viele Hundetrainer bzw. Hundeschulen sind dem Trend gefolgt und bewerben nun körperaktives Training am und mit dem Hund, leider oft zum Schaden der Tiere.

Was genau ist nun körperaktives Trainieren mit Hunden?

Körperaktives Training oder auch die körperaktive Therapie von Problemverhalten beim Hund schließt das parallele Geben von Sprachkommandos aus. Ein Hund kann also entweder auf die Körperaktion des Menschen reagieren oder auf dessen Sprachkommandos. Beides zugleich ist weder sinnvoll noch nachvollziehbar oder gar verständlich für den Hund. Oft sind Verbalkommandos widersprüchlich zur Körperaktion und resultieren in Stress und Konfliktverhalten. Wenn sich Ihr Hund also beim Kommando „Sitz“ wieder mal hinlegt, hat er Ihr Sprachkommando nicht ignoriert, sondern lediglich auf Ihre Körperaktion reagiert. 

Weiterhin muss beachtet werden, dass eine körperaktive Einschränkung in dem Moment beendet werden muss, sobald der Hund ein entsprechendes Alternativverhalten zeigt, ansonsten könnte er nicht zwischen richtig und falsch unterscheiden.

Ein weiteres großes Defizit vieler Anwender des „neuen“ körperaktiven Trainings ist die Unkenntnis im Hinblick auf das Lernverhalten von Hunden. Solange man mit althergebrachten Konditionierungsmodellen am Hund arbeitet, wird es immer wieder Fehlinterpretationen im Verhalten von Hunden geben. Hier wird weder zwischen Reiz und Auslöser noch zwischen Gefühl und Emotion unterschieden. Dies wäre aber wichtig, um das Tier sinn- und maßvoll zu trainieren. 

Bedenken Sie, einem Hund etwas beizubringen oder sein Verhalten zu verändern ist keine Angelegenheit von Wochen oder Monaten, sondern von wenigen Tagen. Maßgeblich hierbei ist das objektive Betrachten von Hundeverhalten und wie der Mensch dieses Wissen nutzt. 

Die Kenntnis über die Körpersprache von Hunden ist wichtig, viel wichtiger jedoch ist, dass Hundehalter und Hundeexperten nicht völlig unwissend körperaktiv am Hund tätig werden. Dies ist fahrlässig und sicherlich nicht „artgerecht“.